Die Gedanken sind frei
Drucker
Drucker drucken – oder wo drückt der Schuh?
Angefangen hat alles damals, 1994. Zu dem neu beschafften PC musste irgendwie ein Drucker her. Da bei Großvater die Anschaffung eines neuen Druckers schon länger anstand, bekam ich einen Epson 24 Nadeldrucker. Unglaublich laut aber mit zwei Vorteilen: Endlospapier konnte bedruckt werden und das Ding funktionierte.
Irgendwann wurde es aber immer schwieriger neue Farbbänder zu bekommen und so nutzte ich die Gelegenheit, dass mein Nachbar einen HP Deskjet 500 abzugeben hatte. Dieser Tintenstrahldrucker funktionierte (abgesehen von dem etwas hohen Tintenverbrauch und sehr ausgefransten Buchstaben) lange Zeit tadellos. Aber die ersten Schwierigkeiten stellten sich schon bald ein: Wie legt man noch einmal das Papier für einen doppelseitigen Druck ein? Wo hängt man es zum Trocknen auf, wenn man ein Bild gedruckt hat? Welche Werkzeuge sind zweckdienlich, um einen Papierstau zu entfernen? Letztendlich tat das Gerät jedoch seinen Dienst, zumeist Dinge auszudrucken (in liebevoller Nachtarbeit) die irgendwann doch ungelesen in einem Papierkorb landeten.
Die Deskjets hatten früher nur ein Problem: nach einer gewissen Druckleistung haben sie kein Papier mehr vom Papierstapel ziehen können, so dass nur die Einzelbefütterung blieb. Für einen Ausdruck von 150 Seiten keine wirkliche Alternative.
Während eines Fischzugs durch den örtlichen Staples erblickte ich einen Epson Stylus Color für günstige 70 DM – ein Auslaufmodell (was sich beim Tintenverbrauch mehr als bewahrheiten sollte). Drucker gekauft, mitgenommen. Nun, dieser Drucker hatte nicht ein, sondern etliche Probleme.
Problem Nr. 1: Es handelte sich um ein Umtauschgerät. Papierführung, Stromkabel und USB-Kabel waren nicht vorhanden.
Problem Nr. 2: Der Drucker war ein GDI-Drucker. Wenn man hauptsächlich Linux nutzt ein Problem. Es gab zwar Treiber, die mehr schlecht als Recht waren, aber aufgrund der folgenden Tatsache waren die auch keine Alternative:
Problem Nr. 3: Das Gerät war, um simpel zu bleiben, weder mit Netzschalter noch irgendwelchen anderen Bedienelementen versehen, alle Aktionen mussten über die Druckersteuerung Windows getätigt werden. Windows hatte ich aber nicht.
Problem Nr. 4: Bei jedem Boot- Einschalt- oder sonstigem Vorgang führte der Drucker einen kompletten Selbsttest durch. Das an sich wäre kein Problem gewesen, wenn der Drucker dabei nicht jedes Mal ca. 5% der Tinte in kleine, sich über die Zeit sehr unangehm darbietende Schwämmchen und somit in den Orkus gespült hätte.
Problem Nr. 5: Weil Problem Nr. 4 auf die Dauer nicht akzeptabel war, habe ich den Drucker vom Netz getrennt und nur bei Bedarf aktiviert. Und was war? Regelmäßig war der kleine eingetrocknet.
So ging es nicht weiter. Was ist die Lösung, wenn man meint, viel drucken zu müssen und auf Farbe keinen Wert mehr legt? Genau, ein Laserdrucker. Auf zu eBay! Der erste Drucker, den ich dort erstand war mit dem Hinweis versehen, dass er ungetestet sei. Lehrgeld muss jeder zahlen, natürlich funktionierte das Gerät nicht. Also kurzerhand die Beschreibung kopiert und das Gerät wieder eingestellt (mit dem Hinweis, dass der Drucker defekt ist). Der Käufer meldete sich postwended per Mail, weil der Drucker nicht den Eigenschaften entsprach; die Typenbezeichnung ließ auf einen netzwerkfähigen Drucker mit großem ROM-Modul und Speicher schließen – Zubehör, dass das Gerät, das durch meine Hände ging durch einen Schraubendreher offensichtlich schon vor langer Zeit verloren hatte (meine Unwissenheit führte dazu, dass ich des ursprünglichen Verkäufers nicht mehr habhaft werden konnte).
Weil ich jetzt wußte, worauf es bei eBay ankommt, traute ich mich ein zweites Mal, einen Laserdrucker dort zu erstehen. Diesmal sollte es ein Lexmark Value Writer 600 sein, der Verkäufer hat Bürodrucker zweitverwertet. Das Gerät funktionierte – abgesehen davon, dass sich dunklere Stellen im Abstand, der dem Trommelumfang entsprach, wiederholten. Ärgerlich zwar, aber zu verschmerzen. Was ich bis dato nicht wußte, ist, dass Laserdrucker zumeist die üble Angewohnheit haben, das Papier von der gewohnten Zweidimensionalität zu befreien – heißt, durch das Laufen über die heiße Trommel wellt sich das Papier. Bei diesem Exemplar war das besonders ausgeprägt, so dass sich nicht mehr als fünf Blatt Papier auf einen Stapel stapeln ließen. Ein Papierstau im Druckwerk (wo sich Papier überall stauen kann – da könnte so mancher Verkehrswissenschaftler noch neues entdecken) führte zukünftig zu gesprenkelten Ausdrucken (so war jedes Blatt eine kleine Werbung für Disneys 101 Dalmatiner). Und dann stellte sich noch etwas ein: Wenn der Toner schon nicht aufs Papier kommt, dann kann doch zumindest der Laser für die Umwelt sorgen: Bei einem Druckvorgang von mehr als zwei Seiten stellten sich in meinem Zimmer Ozonwerte ein, die jeden Versuchsaufbau zur massenhaften Erzeugung des in der Ozonschicht so selten gewordenen O³ vor Neid erblassen lassen hätten. Da das kurzfristig zu Seitenstechen und mittelfristig zu Kopfschmerzen führte, musste ich mich wohl oder übel dafür entscheiden das Gerät dauerhaft von der Versorgung mit Druckdaten abzuschneiden.
Lange Zeit folgte nichts, außer ein, zwei Druckunfällen in der Fachhochschule. Jetzt habe ich einen HP Desktjet 5550 – und harre der Dinge, die da kommen. Ein, zwei Zwischenfälle gab es auch hier schon: als ich versuchte, Ausdrucke von Übungsaufgaben für eine Klausur zu erstellen (ich gebe ja zu, man kann das früher machen als am Vorabend der Klausur) verfing sich das Papier in der Papierausgabe (zuvor funktionierten die Probeausdrucke recht gut) – und zwar bei beiden Versuchen. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass andere Dokumente (bisher) korrekt gedruckt werden. Ob das Auftreten dieses Defekts irgendetwas mit der Quantenmechanik zu tun hat konnte ich noch nicht abschließend klären.
Wer wie ich in einem IT-Unternehmen arbeitet kommt manches Mal in die Situation, etwas ausdrucken zu müssen – so auch ich. Sie ahnen böses und Sie haben Recht.
Die erste mißlungene Druckaktion hier ließ nicht lange auf sich warten. Wie druckt man sparsam aus bei dieser wirtschaftlichen Lage? Klar, Druckertreiber bieten heute an, 2^n Seiten auf ein DIN-A4 Blatt zu drucken, wobei n zwischen 1 und 3 variiert. Alle? Natürlich nicht, wenn die Verantwortlichen, die die Drucker installieren dieses für Unfug halten. Da ich ungern fünfzig Seiten in einer Schriftgröße für eitle Mitbürger (ohne Brille) mit Brillenstärke 4 Dioptrien ausdrucke, wollte ich eben jenes Feature installieren, doch die Verantwortlichen wollten das ja nicht. Wer wie ich einiges über freie Software weiß, hat da Rat parat: einfach das Dokument in eine (Postscript-)Datei drucken und mit Hilfe der PS-Utils so manipulieren, dass zwei Seiten auf eine passen. Tja, da hatte ich aber nicht damit gerechnet, dass sich meine seltsame Beziehung zu Druckern auch virtuelle Drucker und deren Software ausdehnt. Wenn ich nämlich mit den PS-Utils die Seiten verkleinere, so funktioniert das noch – leider werden diese (halb-)Seiten nicht auf eine Seite zusammengefasst, sondern 20 (Halb-)Seiten statt zu 10 Doppelseiten zu 20 Seiten mit einer Halbseite auf der Linken, oder Halbseite auf der Rechten konvertiert (Statt 1,2 zu 12 werden diese zu 1_ und _2).
Der mechanisch geschickte Druckwillige weiß sich auch hier zu helfen: einfach alle ungeraden Seiten ausdrucken, dann alle geraden. Jetzt wird es Zeit für einen Rückblick: was sagte ich noch über Papierstau und andererseits über die Fähigkeit von Drucker, Papier seine Zweidimensionalität zu rauben? Der geneigte Leser weiß, was passierte: Genau, Papierstau (abgesehen von der Tatsache, dass jeder Drucker das Papier anders einzieht – ich glaube, in Drucker existieren Drehwerke, die das Papier nach Tagesform um jede beliebe Achse drehen können und das auch in beliebigen Kombinationen tun). Diesen zu beseitigen lege ich schon eine gewissen Übung an den Tag.
Notiz an mich selbst: Ich sollte mir ein Zusatzzertifikat zum Büromechatroniker erstellen lassen wenn ich mein Abschlußzeugnis für die Ausbildung bekomme.
Den Plan, irgendwelche Dokumente doppelseitig oder zweimalig zu bedrucken habe ich damit erst einmal auf Eis gelegt.
Heutige Drucker können aber mehr als nur Papierstaus produzieren: eine Errungenschaft des Papierdrehwerkes ist, dass die Drucker aus unterschiedlichen Papierfächern mit den unterschiedlichsten Papiersorten (Normal- und Recyclingpapier, Briefumschläge, etc. pp.) befüttert werden können (man müsste sagen: wieder – das konnte schon der gute alte Nadeldrucker, der Heilige Transistor hab’ ihn seelig). Tja, und wenn man zuvor die Papierart auf “Recycling” stellte (schließlich sind wir umwelt- oder eher kostenbewußt) und aus versehen in der Auswahl des Papierquellenfachs “Kasette” auswählt, ja dann hat man Spaß.
Dazu ist zu sagen, dass ich anscheinend nicht nur mit Druckern, virtuellen Druckern und deren Software auf Kriegsfuß zu stehen scheine (also ich habe da nie eine Kriegserklärung ausgesprochen… aber so ist das mit dem Frieden, er ist ein zartes Pflänzchen), sondern auch mit Netzwerkspoolern. Was das ist? Nun, wenn man ein Drucker von mehreren Rechnern benutzen will, dann kann man die Möglichkeiten, die man hat, Dateien zwischen Computern auszutauschen auch nutzen, um einen Drucker im Netzwerk mit Daten zu befüttern und somit z.B. nur einen Drucker pro Abteilung benutzen. Wie immer, wenn irgendwo eine zusätzliche Schicht eingezogen wird gibt es Dinge, die nicht mehr so funktionieren wie gewohnt. So kann man im Firmennetzwerk einmal abgeschickte Druckaufträge nicht mehr abbrechen (wie das, mit etwas Übung und vielen panischen Klicks auf “abbrechen”, ausschalten des Druckers und wenn nötig des ganzen Computers) unter Windows der Fall ist. Ist der Druckauftrag weg, wartet er irgendwo, vielleicht in einem kleinen gallischen Dorf an der Nordwestspitze Frankreichs, darauf, einen Drucker zu finden, auf dem er jede Menge Papier den Weg in den Papierkorb starten lassen kann.
Mein Fall war dann wie folgt: wie oben erwähnt Papiersorte umgestellt, Papierkasste aus Versehen umgestellt, drucken geklickt. Drucker druckt nicht. Durch acht Bedienelemente des Drucker kann man ihm aber glücklicherweise mitteilen, dass man sich in Sachen Papierquelle doch anders entschieden hat (da mir keine Kasette zur Verfügung steht). Leider ist der Drucker nicht so ganz überzeugt, wenn man ihm damit kommt; er behält die Standardquelle nur für eine Seite bei. Bei einem Ausdruck von 60 Seiten eine interessante Aufgabe, noch dazu, wenn der Druck den Drucker an einer Stelle verlässt, von der ich nicht mal wußte, dass sich für Materie durchlässig ist (hier kommt eventuell wieder die Quantenmechanik zum Tragen). Ein Ausschalten des Druckers und des Netzwerkadapters führt nicht etwa, wie ein aufrecht gehender Mitteleuropäer vermuten würde, zum Abbruch des Drucks sondern zu einer Wiederholhung. So fanden heute schon ca. 90 Seiten einseitig bedrucktes Papier ihren Weg auf die Ablage “Schmierzettel”.
Sollte ich eines Tages über den Kampf gegen den Drucker ein Buch schreiben, könnte ich das Script, inklusive eines Probeausdrucks der “Enzeklopidia Britannica” auf diesen Schmierzetteln einreichen.
Und ich bin mir sicher, dass dieser Text noch einige Male erweitert wird.
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